Schnelle Gitarren, laut und ein rauer Sound, politische Texte. Das alles ist Punk. Das alles ist Anti-Flag. Wenn ich sagen müsste, was für mich die Punk-Bands momentan sind, dann würde meine Antwort immer auf Anti-Flag oder Pennywise fallen. Nun aber haben die Bandmitglieder der politischen Punk-Gruppe Anti-Flag am 29.09.2018 ihr neues Album auf den Markt gebracht. Das besondere daran: es ist ein Akustik-Album. Mit „American Reckoning“ versuchen die Jungs aus Pittsburgh noch mehr ihre politischen Texte in den Vordergrund zu stellen. Doch dazu später mehr! Hör hier doch mal rein während dem Lesen!

Anti-Flag American Reckoning

Anti-Flag American Reckoning

Anti-Flag American Reckoning

Viel zur Band Anti-Flag brauche ich wahrscheinlich nicht sagen. Falls das doch gewünscht sein sollte, werde ich demnächst einen Beitrag zur Vorstellung der Band schreiben. Denn wenn du dich für politische Texte, raue und schnelle Musik, allgemein Punk interessierst, dann solltest du an dieser Gruppe wohl gar nicht dran vorbei gekommen sein. Es handelt sich hierbei um eine Band der 90er Jahre, die 93 in Pittsburgh gegründet wurde. Seit 25 Jahren machen sie nun schon Politpunk. Also da kann ich nur sagen „Hut ab“! Und nach vielen Studio-Alben, Live-Alben und circa genauso vielen EP’s, bringen Anti-Flag mit American Reckoning nun ihr erstes richtiges Akustik-Album raus!

Da nun geklärt ist, dass jeder aus der Szene Anti-Flag kennen dürfte (und wenn nicht, dann höre dir die Band unbedingt an), klingt es auch sehr spannend, dass die Jungs sich an akustische Versionen ihrer Songs probieren.

Aber erstmal ein paar Jahre zurück: Am 26. Mai 2015 kam ihr neuntes Studio-Album „American Spring“ auf den Markt. Zwei Jahre und ein paar Monate, November 2017, wurde „American Fall“ von Anti-Flag veröffentlicht. Beide unter dem Label Spinefarm Records. Das dritte Album dieser „American“-Trilogie ist das diesjährige Album „American Reckoning“. Das sich alleine hinter den Namen der Alben viele politisch und gesellschaftlich kritische Texte verstecken, liegt auf der Hand.

American Reckoning Inahlt

Auf der Platte befinden sich insgesamt elf Tracks. Davon sieben akustische Versionen der vergangenen zwei American-Alben und drei „normale“ Cover von Interpreten, die Anti-Flag in ihren Texten & Kompositionen prägten.

Fangen wir mal bei ihren eigenen Songs an, die nur noch mal als Akustik-Version aufgenommen wurden. Mit dem ersten Track des Albums „The Debate Is Over (If You Want It)“ wird klar, dass auch Anti-Flag ruhiger kann! Das Ganze zieht sich durch die ersten sieben Lieder durch. Die musikalische Untermalung rückt in den Hintergrund, Texte noch mehr in den Vordergrund. Also die politische Nachricht, die mit jedem einzelnen Song erzielt werden möchte, wird noch deutlicher.

Gerade der Track „American Attraction“ hat mich direkt gecatcht! Die Aussage des Songs geht klar in die Richtung, wie stolz die Amerikaner darauf sind, die größte Nation zu sein. Dabei die vielen Probleme und Themen wie Gewalt, Armut und Krieg außer Acht lassen. Diese Version des Liedes macht den Text irgendwie noch aggressiver, giftiger! Die Botschaft wird dazu noch direkter an den Hörer vermittelt. Dazu noch die melodische Gitarre im Hintergrund während der Strophen, well done!! Hör dir doch hier unten während dem Lesen das Lied an 🙂

You think it’s a circus, the truth is it’s a strategy
American beauty twisted into a tragedy
Out in a blaze of glory

Ein weiteres Highlight von „American Reckoning“ ist zweifellos das Lied „Brandenburg Gate“. Es hört sich beinahe so an als hätte es schon immer so gespielt werden sollen. Auch ohne das Featuring von Rancids Tim Armstrong, den man auf der originalen Version hören kann. Im allgemeinen soll es darum gehen Mut zu machen und nicht die Hoffnung aufzugeben. Denn während des Kalten Krieges hätte wohl Niemand mit der Wiedervereinigung Deutschlands rechnen können. Somit soll man an Wunder glauben…

Die restlichen fünf Lieder gehen meiner Meinung nach ein wenig unter zwischen diesen zwei akustischen Meisterwerken. Schlecht sind sie keines Falls, aber reichen einfach nicht an die normalen Versionen und auch nicht an die genannten Akustik-Liedern ran. Jedoch ist das noch nicht alles! Es gibt ja noch die drei Cover Songs auf der Platte.

Anti-Flag „American Reckoning“ Cover Songs

Anti-Flag Bandmitglieder

Anti-Flag Bandmitglieder

Das Anti-Flag Lieder covern können, wissen wir. Das wurde schon mit „Should I Stay Or Should I Go“ von The Clash bewiesen. Auf „American Reckoning“ wurden drei klassische Protest-Songs gecovert, welche die Band inspirierten. Mit Gimme Some Truth (John Lennon), For What It’s Worth (Buffalo Springfields) und Surrender (Cheap Trick) wurden drei richtige Ikonen der Protest-Songs rausgesucht. Gerade For What It’s Worth sollten alle kennen und Surrender eigentlich auch, spätestens ab dem Refrain. Die Cover sind gut. Es klingt cool solche Lieder einmal von seinen persönlichen Punk-Helden zu hören. Jedoch haben Anti-Flag nicht viel versucht. Was ich meine … die Tracks klingen den Originalen sehr nahe. Es ist nicht zu 100% wie das Original, aber fast. „Gimme Some Truth“ ist da eine kleine Ausnahme. Aber dennoch, es wurde kein Risiko eingegangen, textlich oder vor allem melodisch nicht gerade viel experimentiert. Und gerade das Experimentieren und neu Interpretieren ist bei Cover Songs doch eine geniale Sache. Es fehlt mir so dieser typische Anti-Flag Sound. Das hätte wahrscheinlich richtig reingehauen. Schade drum, dennoch runden die drei Lieder das Album ab.

Meinung & Epilog zu „American Reckoning“

Also ich sehe das ein wenig zwiespaltig. Einmal bin ich fasziniert, wie geil Anti-Flag Akustik kann! Es ist wirklich bemerkenswert den Unterschied zwischen originaler Fassung und der akustischen Version zu hören. Richtig rau, laut, mit Gitarren: so kenn ich die Jungs und so gefallen sie mir. Die schnellen Gitarren Riffs sind immer eine pure Macht! Auch die politischen Themen kommen in den normalen Versionen sehr gut hervor. Doch nun mit „American Reckoning“ werden die Texte noch viel stärker in den Vordergrund gerückt. Außerdem werden die Lieder ein wenig freundlicher für den Nicht-Punk-Rock-Hörer gemacht. Und genau der sollte sich ja auch mit den Texten beschäftigen, da es auch irgendwo die Wahrheit ist.

Auf der anderen Seite bekomme ich mit dem Hören dieses Album, auch vor allem mit den Cover-Songs, ein bisschen Angst, dass die Jungs von Anti-Flag versuchen ein wenig in die Richtung des Mainstreams zu gehen. Ich kann es mir wirklich kaum vorstellen, aber diese kleine Befürchtung ist auf jeden Fall da.

Es handelt sich bei „American Reckoning“ um ein rundes, thematisch gelungenes, auch musikalisch überraschendes Album von Anti-Flag. Ach was rede ich! Politisch gibt’s richtig schön auf die Fresse & die nackte Wahrheit wird musikalisch runtergezimmert. Dennoch hoffe ich, dass die Band nicht ihren Stil verliert, der sie doch so bekannt gemacht hat. Zum Abschluss noch mal zusammenfassend gesagt: Das Album dreht sich ausschließlich um die Politik & Gesellschaft in den USA. Anti-Flag können auf jeden Fall akustische Musik machen, sogar richtig richtig geil! Textlich kann man auf manche Aussagen ihrer Tracks nicht oft genug hinweisen & hoffentlich erreichen die Texte in ihren Akustik-Versionen noch mehr Zuhörer.

Was denkst du über Anti-Flag oder Punk allgemein? Sollte ich zu der Band ausführlicher mal was schreiben? Lass es mich gerne wisse! 🙂

Trackliste:
01. The Debate Is Over (If You Want It) (Acoustic)
02. Trouble Follows Me (Acoustic)
03. American Attraction (Acoustic)
04. When The Wall Falls (Acoustic)
05. Racists (Acoustic)
06. Set Yourself On Fire (Acoustic)
07. Brandenburg Gate (Acoustic)
08. Gimme Some Truth
09. For What It’s Worth
10. Surrender

Anti-Flag – American Attraction (Acoustic)

Anti-Flag – For What It’s Worth

Kennst du schon aus der deutschen Pop-Punk Szene die neue, junge Band A Cereal Killer? Lies hier alles über A Cereal Killer

 

Teile diese Seite mit Freunden